Inden im Wandel – Teil 1

Erst Miniwälder, dann Party-Zonen?

Im aktuellen „Mitteilungsblatt“ wird zu einer kostenlosen Veranstaltung der indeland GmbH am 31. August am Miniwald in Inden eingeladen. Es geht um Insekten, Pflanzen, Artenvielfalt, Klimaschutz und das Projekt „Miniwald Explorer“. Bürgerinnen und Bürger sollen die Natur beobachten und selbst Daten sammeln. ([indeland.de][1])

Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden.

Miniwälder können auf kleinen Flächen wertvolle Lebensräume schaffen. Sie können Kindern und Erwachsenen Natur näherbringen und zeigen, wie Pflanzen, Tiere und Boden miteinander verbunden sind.

Aber können ein paar hundert Quadratmeter Miniwald tatsächlich einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz und zur Bewältigung der ökologischen Folgen des Tagebaus leisten?

Hier lohnt sich ein genauerer Blick.

Die wissenschaftliche Bewertung der sogenannten Miyawaki-Methode ist inzwischen deutlich zurückhaltender, als manche Darstellungen vermuten lassen. Eine aktuelle systematische Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass für viele der besonders weitreichenden Versprechen – beispielsweise außergewöhnlich hohe Biodiversität, besonders schnelle Entwicklung oder eine überlegene Kohlenstoffbindung – bislang nur eine begrenzte wissenschaftliche Grundlage vorhanden ist.

Ein Miniwald kann also sinnvoll sein. Er ist aber kein Ersatz für großflächige Renaturierung.

Und genau an diesem Punkt stellt sich für Inden eine Frage, die über den Miniwald hinausgeht.

Denn während wir über kleine Waldflächen sprechen, wird gleichzeitig die Zukunft der riesigen Tagebaufläche geplant.

Und diese Zukunft soll keineswegs ausschließlich aus Natur und Ruhe bestehen.

Die indeland GmbH arbeitet an der Entwicklung des künftigen Indesees. In den Planungen spielen Freizeit, Erholung und Tourismus eine wesentliche Rolle. Die Gemeinde Inden hat den Rahmenplan Indesee 2.0 beschlossen. Dieser ist zwar noch kein rechtsverbindlicher Bebauungsplan, soll aber als Grundlage für die weitere Planung dienen.

Vorgesehen beziehungsweise diskutiert werden unter anderem Strände, Gastronomie, Camping, Marinas, touristische Angebote und Veranstaltungsbereiche.

Sogar der Begriff „Party Zone“ findet sich in den Unterlagen aus den Bürgerworkshops.

Das bedeutet nicht, dass morgen eine Partymeile am Indesee eröffnet wird.

Aber es zeigt, welche Art von Nutzung im Rahmen der zukünftigen Entwicklung überhaupt diskutiert wird.

Und hier beginnt die Frage, die uns als Bürger interessieren sollte:

Was bedeutet diese Entwicklung für die Menschen, die hier bereits wohnen?

Denn Inden ist kein unbewohntes Feriengebiet.

Die geplanten Freizeit- und Tourismusbereiche liegen teilweise unmittelbar an bestehenden Ortschaften und Wohngebieten.

Die Gemeinde selbst erklärt, dass sie die Infrastruktur für Investoren wie Hoteliers, Campingplatzbesitzer und Gastronomen schaffen möchte, damit diese in Inden investieren.

Gleichzeitig wird inzwischen mit erheblichen Besucherzahlen gerechnet.

Eine 2026 vorgestellte Tourismusstudie nennt für 2040 bis zu 6,7 Millionen Tagesreisen und für 2060 bis zu 8,5 Millionen Tagesreisen als mögliches Potenzial.

Das sind beeindruckende Zahlen.

Aber hinter jeder Zahl stehen Menschen.

Menschen, die mit dem Auto oder Bus kommen.

Menschen, die parken müssen.

Menschen, die essen, feiern, einkaufen und übernachten.

Und möglicherweise Menschen, die die Nacht zum Tag machen.

Was bedeutet das für Verkehr, Lärm, Müll, Sicherheit und Lebensqualität in den unmittelbar angrenzenden Ortsteilen?

Darüber sollten wir genauso ausführlich sprechen wie über die wirtschaftlichen Chancen.

Denn ein See vor der Haustür kann etwas sehr Schönes sein.

Er kann aber auch etwas völlig anderes werden, wenn aus dem See eine überregional beworbene Tourismusdestination wird.

Deshalb geht es bei dem kleinen Miniwald am Ende um eine viel größere Frage:

Welche Zukunft wollen wir für Inden?

Eine möglichst naturnahe Landschaft, die vor allem den Menschen dient, die hier leben?

Oder eine große Freizeit- und Tourismusregion, die Besucher aus einem Einzugsgebiet von Millionen Menschen anziehen soll?

Beides gleichzeitig ist möglich – aber nur dann, wenn vorher ehrlich darüber gesprochen wird, wo die Grenzen liegen.

Wie viele Besucher verträgt Inden?

Wie viel Verkehr?

Wie viele Veranstaltungen?

Wie viel Lärm?

Wie viele Übernachtungsplätze?

Wie viel Gastronomie?

Und wie viel Natur bleibt tatsächlich Natur?

Diese Fragen sollten gestellt werden, bevor aus Konzepten konkrete Bauvorhaben werden.

Der Miniwald ist deshalb vielleicht ein guter Anlass, genauer hinzuschauen.

Nicht gegen Bäume.

Nicht gegen Natur.

Sondern für eine ehrliche Diskussion darüber, was aus Inden werden soll.


 [1]: https://indeland.de/aktuell/news/artikel/kleine-waelder-grosse-wirkung-miniwaelder-in-langerwehe-und-inden-entdecken?utm_source=chatgpt.com „Kleine Wälder, große Wirkung: Miniwälder in Langerwehe …“


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