Keine Aussicht!
Der Indemann ist bislang kostenlos zugänglich. Nun berichtet die Aachener Zeitung über Überlegungen zu einem möglichen Bezahlsystem für den Aussichtsturm auf der Goltsteinkuppe. Die Zeitung titelt: „Eintritt für den Indemann bleibt vorerst offen“ und berichtet, dass die Verwaltung bei einem solchen System noch Hürden sieht. [1]
Eine konkrete Entscheidung über einen Eintritt lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Viel interessanter ist deshalb eine andere Frage:
Was genau wurde von der Verwaltung geprüft – und wann?
Kein Beschluss über einen Eintritt auffindbar
Eine Recherche nach öffentlich zugänglichen Informationen der Gemeinde Inden, nach Rats- und Ausschussthemen sowie nach den Begriffen „Indemann“, „Eintritt“, „Bezahlsystem“ und „Zugangssystem“ ergibt derzeit keinen auffindbaren öffentlichen Beschluss, aus dem hervorgeht, dass ein Eintritt beschlossen wurde.
Auch eine öffentlich auffindbare Verwaltungsvorlage oder Niederschrift, aus der sich ein konkretes Eintrittsmodell ergibt, konnte bislang nicht identifiziert werden.
Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich Verwaltung und Politik mit dem Thema nicht beschäftigt haben.
Eine Verwaltung kann eine solche Möglichkeit zunächst intern prüfen. Auch Gespräche zwischen Verwaltung und Presse müssen nicht zwangsläufig in einem öffentlichen Ratsbeschluss enden.
Gerade deshalb stellt sich aber die Frage, auf welcher Grundlage die Aachener Zeitung über konkrete „Hürden“ bei einem Bezahlsystem berichtet.
Woher kommt die Information?
Wenn die Verwaltung tatsächlich die Einführung eines Bezahlsystems untersucht hat, müsste es dafür einen Anlass geben.
Wurde eine interne Prüfung durchgeführt?
Gab es eine technische Untersuchung?
Wurde die Möglichkeit eines Eintritts im Zusammenhang mit der Weiterentwicklung des Indemanns diskutiert?
Wurde das Thema bereits in einem Ausschuss oder im Gemeinderat angesprochen?
Oder handelt es sich zunächst um eine Überlegung innerhalb der Verwaltung?
Diese Fragen sind derzeit öffentlich nicht eindeutig beantwortet.
Der Bericht der Aachener Zeitung macht die Angelegenheit deshalb interessant: Die Zeitung berichtet über einen Sachverhalt, zu dem sich in den öffentlich auffindbaren Unterlagen bislang keine entsprechende konkrete Entscheidung finden lässt. [1]
Der Indemann ist derzeit kostenlos
Nach den derzeit verfügbaren touristischen Informationen ist der Zugang zum Indemann weiterhin kostenlos. [2]
Das ist der bisherige Zustand.
Ein kostenpflichtiger Zugang wäre daher eine Veränderung des bisherigen Angebots und sollte entsprechend nachvollziehbar begründet werden.
Dabei geht es nicht nur um die Höhe eines möglichen Eintrittspreises.
Es geht vor allem darum, welches Konzept dahintersteht.
Warum überhaupt über Eintritt nachdenken?
Der Indemann wird derzeit umfangreich weiterentwickelt.
Zum Projekt „Freizeitzentrum Indemann“ gehören unter anderem ein neues Besucherzentrum, ein verglaster Hochzeits- und Veranstaltungsraum sowie die neue Medienfassade. Für die erste Umsetzungsphase werden rund 5,3 Millionen Euro Fördermittel genannt. [3][4]
Der Standort soll touristisch weiterentwickelt und stärker mit der zukünftigen Entwicklung des Indesees verbunden werden. [3]
Vor diesem Hintergrund ist die Frage nach einer möglichen Einnahmestruktur durchaus nachvollziehbar.
Wenn der Indemann künftig stärker als touristische Attraktion betrieben werden soll, könnte grundsätzlich auch die Frage nach eigenen Einnahmen entstehen.
Ob das tatsächlich der Grund für die Überlegungen der Verwaltung ist, ist allerdings nicht öffentlich belegt.
Welche Kosten entstehen künftig?
Die Diskussion über einen möglichen Eintritt sollte auch mit den laufenden Kosten verbunden werden.
Die neue Medienfassade benötigt Energie, Wartung und technische Betreuung. Auch Gebäude, Besucherzentrum und weitere Einrichtungen verursachen laufende Kosten.
Daher wäre es interessant zu erfahren, wie der zukünftige Betrieb des Standortes finanziert werden soll.
Welche jährlichen Betriebskosten werden erwartet?
Welche Kosten entstehen durch die neue Medienfassade?
Welche Kosten trägt die Gemeinde?
Welche Kosten werden über andere Betreiber oder Einnahmen gedeckt?
Und spielt ein möglicher Eintritt in diesen Überlegungen überhaupt eine Rolle?
216.315 Besucher im Jahr 2024
Für das Jahr 2024 weist der indeland-Jahresbericht 216.315 Besucherinnen und Besucher am Indemann aus. [5]
Diese Zahl zeigt die Größenordnung des Standortes. Sie sagt allerdings noch nichts darüber aus, wie viele Menschen bei einem kostenpflichtigen Zugang tatsächlich bereit wären zu zahlen.
Ein kostenloser Aussichtspunkt und eine kostenpflichtige Attraktion sind hinsichtlich des Besucherverhaltens nicht unmittelbar vergleichbar.
Deshalb wäre eine belastbare Untersuchung notwendig, bevor man aus der Besucherzahl mögliche Einnahmen ableitet.
Was wären die „Hürden“?
Besonders interessant ist die Aussage, dass die Verwaltung bei einem Bezahlsystem Hürden sieht. [1]
Welche Hürden sind damit konkret gemeint?
Technische Zugangskontrolle?
Personal?
Öffnungszeiten?
Barrierefreiheit?
Kassen- oder Bezahlautomaten?
Abrechnung?
Oder die bauliche Situation des Indemanns?
Der Indemann ist kein klassischer Aussichtsturm mit einem einzigen Eingang und einer einfachen Zugangskontrolle. Die technische und organisatorische Umsetzung eines Bezahlsystems könnte deshalb tatsächlich Fragen aufwerfen.
Welche davon die Verwaltung konkret untersucht hat, sollte öffentlich erklärt werden.
Was würde ein Eintritt für Besucher bedeuten?
Sollte irgendwann tatsächlich ein Eintritt eingeführt werden, müssten zahlreiche Einzelheiten geklärt werden.
Wer müsste bezahlen?
Gibt es Ermäßigungen?
Bleibt der Außenbereich kostenlos?
Ist nur der Aufstieg beziehungsweise der Zugang zur Aussichtsplattform kostenpflichtig?
Wie werden Familien und Gruppen behandelt?
Was passiert bei Veranstaltungen?
Und wie wird verhindert, dass Besucher für etwas bezahlen müssen, das sie gar nicht nutzen möchten?
Noch ist keine dieser Fragen entschieden.
Die wirtschaftliche Frage
Bei 216.315 Besuchern im Jahr 2024 liegt es nahe, über mögliche Einnahmen nachzudenken. [5]
Eine einfache Beispielrechnung kann die Größenordnung verdeutlichen:
200.000 zahlende Besucher bei 3 Euro Eintritt würden rechnerisch 600.000 Euro ergeben.
Bei 5 Euro wären es 1 Million Euro.
Diese Zahlen sind ausdrücklich keine Einnahmeprognose. Sie berücksichtigen weder einen möglichen Besucherrückgang noch Kinder, Familien, Gruppen, kostenlose Zugänge oder andere Faktoren.
Gerade deshalb wäre eine offizielle Wirtschaftlichkeitsberechnung wesentlich aussagekräftiger als jede einfache Hochrechnung.
Öffentliche Investitionen und mögliche Einnahmen
Die erste Entwicklungsphase des Freizeitzentrums Indemann wird mit rund 5,3 Millionen Euro angegeben. Die Förderquote beträgt laut Kreis Düren 97,5 Prozent. [4]
Damit wird ein erheblicher Teil der Investition mit öffentlichen Fördermitteln finanziert.
Das allein bedeutet nicht, dass ein späterer Eintritt problematisch wäre. Fördermittel können Investitionen ermöglichen, während der spätere Betrieb über unterschiedliche Einnahmequellen finanziert wird.
Aber genau deshalb sollte transparent sein, welches Finanzierungsmodell vorgesehen ist.
Wenn ein Eintritt als Einnahmequelle in Betracht gezogen wird, wäre es interessant zu wissen, ob diese Möglichkeit bereits bei der langfristigen Betriebsplanung berücksichtigt wurde.
Was sagt die Politik dazu?
Hier besteht derzeit die größte Informationslücke.
Wenn die Verwaltung ein Bezahlsystem tatsächlich geprüft hat, wäre interessant zu erfahren, ob und wann die politischen Gremien damit befasst wurden.
Gab es eine Information des Rates?
Wurde das Thema in einem Ausschuss behandelt?
Wurde eine Verwaltungsvorlage vorbereitet?
Oder befindet sich die Überlegung noch vollständig innerhalb der Verwaltung?
Derzeit ist öffentlich kein entsprechender Beschluss auffindbar.
Das macht die Frage nach der Quelle der Informationen umso interessanter.
Keine Entscheidung – aber eine offene Frage
Aus dem Bericht der Aachener Zeitung sollte derzeit nicht abgeleitet werden, dass der Indemann künftig Eintritt kosten wird.
Nach der derzeit auffindbaren Informationslage gibt es keinen öffentlich belegten Beschluss über einen Eintritt.
Fest steht vielmehr:
Der Indemann wird touristisch weiterentwickelt.
Die Besucherzahlen sind hoch.
Die Infrastruktur wird erweitert.
Die Medienfassade wird modernisiert.
Und laut Aachener Zeitung beschäftigt sich die Verwaltung offenbar auch mit der Möglichkeit eines Bezahlsystems. [1]
Was bisher fehlt, ist eine öffentlich nachvollziehbare Darstellung, was genau geprüft wurde und welche Ergebnisse diese Prüfung hatte.
Die Fragen an Verwaltung und Politik
Für eine sachliche öffentliche Diskussion wären deshalb einige Antworten hilfreich:
Wurde die Einführung eines Eintritts für den Indemann von der Verwaltung geprüft?
Wenn ja, wann und durch wen?
Welche technischen und organisatorischen Hürden wurden festgestellt?
Wurde das Thema dem Gemeinderat oder einem Ausschuss vorgestellt?
Existiert dazu eine Verwaltungsvorlage, eine Wirtschaftlichkeitsberechnung oder eine interne Untersuchung?
Welche Eintrittsmodelle wurden gegebenenfalls betrachtet?
Und ist ein kostenpflichtiger Zugang Bestandteil der langfristigen Planung für den Indemann?
Diese Fragen lassen sich beantworten, ohne bereits eine Entscheidung für oder gegen einen Eintritt zu treffen.
Fazit
Derzeit steht nicht fest, ob Besucher künftig für den Indemann bezahlen müssen.
Der öffentlich bekannt gewordene Bericht der Aachener Zeitung zeigt jedoch, dass ein Bezahlsystem zumindest Gegenstand von Überlegungen der Verwaltung sein soll. [1]
Einen öffentlich auffindbaren Beschluss über die Einführung eines Eintritts konnte ich bislang nicht finden.
Damit bleibt eine zentrale Frage offen:
Wenn die Verwaltung bereits konkrete Hürden für ein Bezahlsystem kennt – was genau wurde geprüft, wann wurde es geprüft und welche politischen Gremien wurden darüber informiert?
Gerade weil der Indemann derzeit mit erheblichem öffentlichen Fördermitteleinsatz weiterentwickelt wird, wäre eine transparente Antwort auf diese Fragen sinnvoll.
Nicht der mögliche Eintrittspreis ist momentan die wichtigste Information.
Sondern die Antwort darauf, ob und wie ein zukünftiges Betriebs- und Finanzierungsmodell für den Indemann geplant wird.
Quellen
[1] Aachener Zeitung: „Eintritt für den Indemann bleibt vorerst offen“ – Bericht über die Überlegungen zu einem möglichen Bezahlsystem und die von der Verwaltung genannten Hürden. [Quelle: Aachener Zeitung](https://www.aachener-zeitung.de/lokales/region-dueren/inden/eintritt-fuer-den-indemann-bleibt-vorerst-offen/161322687.html)
[2] Aktuelle touristische Informationen zum Indemann: Der Aussichtsturm wird weiterhin als kostenloses Ausflugsziel geführt. [Quelle: Outdooractive](https://www.outdooractive.com/de/poi/eifel/gemeinde-inden-indemann/12762764/)
[3] Zukunftsagentur Rheinisches Revier: „Freizeitzentrum Indemann“ – Projektziele, Projektzeitraum und Fördervolumen. [Quelle: Zukunftsagentur Rheinisches Revier](https://projekte.rheinisches-revier.de/bewilligte-projekte/projektdetails/freizeitzentrum-indemann)
[4] Kreis Düren, 1. Dezember 2025: „Spatenstich für das neue Besucherzentrum indeland auf der Goltsteinkuppe“ – Besucherzentrum, Medienfassade, Veranstaltungsraum und Förderquote. [Quelle: Kreis Düren](https://kreisdueren.de/presse/spatenstich-indeland_2025-12-01.php)
[5] indeland Jahresbericht 2024 – Besucherzahlen des Indemanns und weitere regionale Freizeitstandorte. [Quelle: indeland](https://indeland.de/fileadmin/Downloads/indeland-Jahresbericht-2024_Web.pdf)