Der Indesee – für wen wird er eigentlich gebaut?
Der Indesee – für wen wird er eigentlich gebaut?
Im ersten Beitrag ging es um Miniwälder und die Frage, welche Zukunft wir für Inden eigentlich wollen.
Bei der weiteren Beschäftigung mit den Planungen für den Indesee bin ich auf Zahlen gestoßen, die ich für jeden Bürger interessant finde.
Denn der zukünftige Indesee soll offenbar weit mehr werden als ein großer See mit Natur und Erholungsmöglichkeiten für die Menschen aus Inden und der näheren Umgebung.
Die aktuellen Planungen sehen eine touristische Entwicklung vor.
Und zwar eine durchaus erhebliche.
Die 2026 vorgestellte Tourismusstudie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr, kurz dwif, kommt zu dem Ergebnis, dass im indeland bis 2040 rund 450.000 Übernachtungen und 5,8 bis 6,7 Millionen Tagesreisen möglich sein könnten.
Für 2060 werden sogar rund 1,25 Millionen Übernachtungen und bis zu 8,5 Millionen Tagesreisen als möglich angesehen.
Der damit verbundene touristische Bruttoumsatz könnte laut Studie bis zu 421 Millionen Euro jährlich erreichen.
Das sind keine kleinen Zahlen.
Aber was bedeuten sie für Inden?
8,5 Millionen Tagesreisen klingen zunächst nach einem beeindruckenden wirtschaftlichen Erfolg.
Für einen Bürger stellt sich allerdings eine andere Frage:
Wo kommen diese Millionen Menschen hin?
Nach den bisher veröffentlichten Planungen sind unter anderem Strände, Gastronomie, Camping, Marinas, Freizeitangebote und weitere touristische Einrichtungen vorgesehen. Die indeland GmbH beschreibt den Rahmenplan ausdrücklich als Grundlage für die weitere Entwicklung des Seeumfelds.
Bereits 2023 wurde von indeland erklärt, dass ein Campingplatz in Lucherberg auf 6,9 Hektar ausgebaut werden soll. Für die Lucherberger Lagune ist ein Freizeitstrand vorgesehen. Dort sollen Schwimmen, Sonnen und weitere Freizeitangebote möglich werden. Außerdem wird ausdrücklich davon gesprochen, dass Besucher aus dem gesamten Umland und zunehmend auch von weiter her erwartet werden.
Auch eine Planung für die Lucherberger Lagune zeigt bereits einen Parkplatz mit etwa 950 Stellplätzen sowie Gastronomie und Sportangebote.
Und die Gemeinde Inden hat ihre Zielrichtung selbst sehr deutlich beschrieben.
Beim Beschluss des Rahmenplans Indesee 2.0 erklärte Bürgermeister Stefan Pfennings, man wolle die Infrastruktur für Investoren wie Hoteliers, Campingplatzbesitzer und Gastronomen schaffen, damit diese sich für Investitionen in Inden entscheiden.
Das ist interessant.
Denn damit geht es offensichtlich nicht nur darum, den Bürgern einen schönen See zur Verfügung zu stellen.
Es geht auch darum, private Investitionen anzuziehen und rund um den See eine neue Wirtschafts- und Tourismusstruktur entstehen zu lassen.
Das kann wirtschaftlich sinnvoll sein.
Aber ich frage mich:
Was davon hat am Ende tatsächlich der Bürger von Inden?
Ein Hotel bringt seinem Betreiber Einnahmen.
Ein Campingplatz bringt seinem Betreiber Einnahmen.
Ein Restaurant bringt seinem Betreiber Einnahmen.
Freizeiteinrichtungen können Geld verdienen.
Aber daraus folgt nicht automatisch, dass die Gemeinde Inden in gleichem Maße profitiert.
Die Gemeinde muss möglicherweise gleichzeitig Straßen, Parkplätze, Wege, Grünflächen und andere Infrastruktur bereitstellen und unterhalten.
Hinzu kommen mögliche Belastungen durch Verkehr, Müll, Lärm und Veranstaltungen.
Genau diese Seite der Rechnung interessiert mich.
Denn in der öffentlichen Darstellung werden die möglichen wirtschaftlichen Chancen sehr konkret beziffert.
421 Millionen Euro touristischer Bruttoumsatz im Jahr 2060.
Aber wie viel davon bleibt tatsächlich in Inden?
Wie viel zusätzliche Gewerbesteuer entsteht?
Wie hoch sind die zusätzlichen Kosten für die Gemeinde?
Wie viele neue Arbeitsplätze entstehen tatsächlich vor Ort?
Und wie viele davon sind dauerhaft?
Das sind meiner Meinung nach genauso wichtige Fragen wie die Höhe des erwarteten Umsatzes.
Noch eine andere Frage beschäftigt mich.
Der Rahmenplan Indesee 2.0 ist kein fertiger Bauplan. Die indeland GmbH weist selbst darauf hin, dass konkrete Vorhaben erst in weiteren Planungs- und Genehmigungsverfahren festgelegt werden. Der Rahmenplan zeigt also eine mögliche langfristige Entwicklung und schreibt nicht automatisch jedes einzelne dargestellte Projekt fest.
Das sollte man ausdrücklich sagen.
Aber gerade deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, darüber zu sprechen.
Denn der Rahmenplan soll als Orientierung für die weiteren Planungen dienen.
Was heute eine Vision ist, kann morgen Bestandteil einer konkreten Planung werden.
Und dann wird es für die Bürger schwieriger, grundsätzlich über die Richtung zu diskutieren.
Für mich stellt sich deshalb eine grundsätzliche Frage:
Wird der Indesee in erster Linie für die Menschen gebaut, die in Inden und der Umgebung leben?
Oder soll hier Schritt für Schritt eine überregional bedeutende Tourismusdestination entstehen?
Vielleicht lässt sich beides miteinander verbinden.
Aber dann muss auch ehrlich über die möglichen Folgen gesprochen werden.
Denn Millionen zusätzliche Besucher kommen nicht allein.
Sie brauchen Straßen.
Parkplätze.
Gastronomie.
Übernachtungsmöglichkeiten.
Freizeiteinrichtungen.
Versorgung.
Entsorgung.
Und natürlich werden sie auch Lärm und Verkehr mit sich bringen.
Das muss nicht zwangsläufig ein Problem sein.
Aber es kann eines werden, wenn die Interessen der Besucher irgendwann wichtiger werden als die Lebensqualität der Menschen, die hier wohnen.
Und genau deshalb finde ich die Frage „Für wen wird der Indesee eigentlich gebaut?“ so wichtig.
Nicht, weil ich grundsätzlich gegen Tourismus bin.
Nicht, weil ich gegen Hotels, Gastronomie oder einen Campingplatz bin.
Sondern weil wir Bürger wissen sollten, welche Entwicklung tatsächlich angestrebt wird und welche Auswirkungen sie auf unsere Gemeinde haben könnte.
Der Indesee wird über Jahrzehnte entstehen.
Die grundlegenden Entscheidungen darüber, was rund um ihn herum entstehen soll, werden aber wesentlich früher getroffen.
Deshalb sollten wir nicht erst darüber diskutieren, wenn alles beschlossen und gebaut ist.
Sondern jetzt.
Denn ein See vor der Haustür kann eine Bereicherung sein.
Die entscheidende Frage ist:
Für wen?
Und zu welchem Preis?